Sind Zeitreisen möglich? Das sagt die Wissenschaft heute

Im Mittelpunkt der Science-Fiction-Serie „Doctor Who“ des britischen Sender BBC stehen die Abenteuer der gleichnamigen Figur, die durch Zeit und Raum reisen kann. Doch kann man wirklich beliebig zwischen verschiedenen Epochen der Geschichte hin- und herspringen? Was sagt der aktuelle Stand der Wissenschaft dazu? Vorwärts in der Zeit zu reisen ist überraschend einfach. Einsteins spezielle Relativitätstheorie, die 1905 entwickelt wurde, zeigt, dass die Zeit für Menschen, die sich relativ zueinander bewegen, unterschiedlich schnell vergeht – wobei der Effekt erst bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit sehr groß wird.

Würde man die Erde in einem Raumschiff mit einem nennenswerten Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit verlassen, umkehren und zurückkommen, wären vielleicht nur wenige Jahre an Bord vergangen, aber es könnten viele Jahre auf der Erde vergangen sein. Dies wird als das „Zwillingsparadoxon“ bezeichnet, da ein Reisender, der eine solche Reise unternimmt, zurückkehren und sich viel jünger als der eigene Zwilling wiederfinden würde. Aus aktueller wissenschaftlicher Sicht gibt nur ein Problem für jeden, der einen Blick in die Zukunft werfen möchte : Die Rückkehr. Es würde in der aktuellen Theorie bedeuten, dass man sich schneller als das Licht bewegen müsste – und das erlaubt die anerkannte Wissenschaft nicht.

Aber vielleicht gibt es einen Ausweg in der allgemeinen Relativitätstheorie, Einsteins Gravitationstheorie, die Raum und Zeit als „Raumzeit“ vereint, die sich in Gegenwart von Masse krümmt. Sie lässt die Möglichkeit von Wurmlöchern zu – eine Art Tunnel durch die Raumzeit, der ansonsten sehr entfernte Teile des Universums verbindet. Wenn sich die „Münder“ des Wurmlochs relativ zueinander bewegen, dann würde die Überquerung der Brücke zwischen verschiedenen Punkten im Raum auch eine Reisende zu einem anderen Zeitpunkt als dem, in dem sie gestartet ist, ermöglichen.

Dennoch wäre es unmöglich, weiter in der Zeit zurückzugehen als bis zu dem Punkt, an dem das Wurmloch entstanden ist, was die Reisemöglichkeiten etwas einschränkt. Sollten sich beim Urknall natürliche Wurmlöcher gebildet haben, wäre es dieser Theorie nach möglich, zu einer begrenzten Anzahl von Punkten in der Vergangenheit und im fernen Universum zu reisen, aber man könnte nicht beliebig im Kosmos umherfliegen. Der wissenschaftliche Stand wird aber noch restriktiver: Die theoretischen Arbeiten von Kip Thorne vom Caltech, die eine teilweise Vereinigung der Allgemeinen Relativitätstheorie mit der Quantenphysik verwenden, legen nahe, dass jedes Wurmloch, das Zeitreisen ermöglicht, kollabieren würde, sobald es sich bildet.

Thorne löste jedoch ein offensichtliches Problem, das durch Zeitreisen – innerhalb der Grenzen der Allgemeinen Relativitätstheorie – entstehen könnte. Das sog. „Großvaterparadoxon“ besteht darin, in der Zeit zurückzugehen und versehentlich den eigenen Großvater zu töten, bevor der Vater gezeugt wird – und damit die eigene Geburt zu verhindern, was es unmöglich macht, in der Zeit zurückzugehen und den Großvater zu töten. Thorne fand seinen Erkenntnissen nach heraus, dass Punktmassen, die ein Wurmloch durchqueren, keine Anfangsbedingungen diese Art von Paradoxon schaffen können…

Foto: Jeremy Thomas on Unsplash

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